Aktivitäten

Projekt: Kriegsleiden in Norddeutschland

Einladung zu einem neuen Projekt des Arbeitskreises:

Zu allen Zeiten und oft für mehrere Jahre wurden die Menschen in Norddeutschland von Kriegen betroffen. Dies konnte direkt durch Truppenbewegungen und Kämpfe erfolgen, aber auch durch Verwandte an fernen Kriegsschauplätzen wie den Fronten der beiden Weltkriege oder Einsätzen in Afghanistan. Unter Kriegen litten und leiden zivile Personen – Frauen, Männer und Kinder, Junge und Alte – ebenso wie Soldaten; alle zählen zu den Verlierern von Kriegen. Sie wurden verletzt, vergewaltigt und getötet, verfolgt, vertrieben, ausgebombt und ausgeplündert. Wer einen Krieg überlebte, litt oft lebenslang unter einem Trauma.

In diesem Projekt des Arbeitskreises sollen Kriege aus der Sicht der Betroffenen und Leidenden betrachtet werden; es geht also nicht um Militärstrategien, Siege und „Heldentaten“, Waffentechnik und Uniformen oder die Interessen von Herrschern und Generälen. Es gilt z. B. zu fragen

  • Welche Auswirkungen hatten einzelne Kriege auf die Menschen und ihre Lebenswelt in Norddeutschland? Welche psychischen Folgen hatten diese Kriegserlebnisse bei den Menschen?
  • Wie äußerte sich die Bedrückung der Bevölkerung durch Kriegssteuern, Einquartierungen, Requirierungen, Ausplünderung und materielle Verluste? Was geschah z. B. mit Familien, deren Ernährer im Krieg starb?
  • Welche Schäden hinterließen die Kriege in der Landschaft, in Siedlungen und der Wirtschaft?
  • Welche Rolle spielten Kriegs- und Wehrdienst oder deren Verweigerung bis zur Desertion?
  • Was geschah mit verwundeten und traumatisierten Soldaten, mit Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern?
  • Wie ging man mit den Kriegsleiden und -folgen zu verschiedenen Zeiten um? Wie wurden diese z. B. juristisch „bewältigt“?  Welche Rolle spielen sie in der Erinnerungskultur?

Dies sind nur einige der möglichen Themen, die bearbeitet werden könnten.

Zeitlich kann die Thematik dieses Projekts vom Mittelalter bis in die Gegenwart reichen, von Fallbeispielen anhand einzelner Kriege, Ereignisse und Personen(gruppen) bis zu allgemeinen Analysen. Wie andere Regionen wurde Norddeutschland im Mittelalter von Kriegszügen und Besatzungszeiten betroffen, aber auch vom Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und dem Nordischen Krieg (1700-1721), von der „Franzosenzeit“ (1806-1814), dem deutsch-dänischen Krieg 1864, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie zahlreichen weiteren kriegerischen Konflikten. Diese Kriege und ihre Folgen finden sich in Chroniken, Tagebüchern und Erinnerungen, Prozessakten, Kontributionslisten und vielen weiteren Quellen wieder.

Die bewährte regionale Beschränkung auf Norddeutschland und Süddänemark erlaubt eine Vertiefung der Quellenanalyse, ohne vergleichbare Fragestellungen und Forschungsergebnisse aus andern deutschen und europäischen Regionen zu vernachlässigen. Zu dem Projekt soll es 2013 ein Arbeitsgespräch geben, für das Frühjahr 2014 wird dann eine Tagung geplant.

Wer Interesse hat, sich mit einem Beitrag/Vortrag zu beteiligen, Anregungen oder Fragen zu dem Projekt hat, melde sich bitte bei Dr. Ortwin Pelc, Museum für Hamburgische Geschichte, Holstenwall 24, 20355 Hamburg, Tel. 040-428132203, Mail: ortwin.pelc@hamburgmuseum.de.