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Vögte, Schreiber, Kontrolleure – Beiträge zu einer Sozialgeschichte der Verwaltung in Schleswig-Holstein vom Mittelalter bis heute

Einladung zu einem neuen Projekt: Vögte, Schreiber, Kontrolleure – Beiträge zu einer Sozialgeschichte der Verwaltung in Schleswig-Holstein vom Mittelalter bis heute

Die Verwaltungsgeschichte jener Gebiete, die heute das Bundesland Schleswig-Holstein sowie die dänische Region Südjütland bilden, darf als gut erforscht gelten. Dies liegt in der Konsequenz einer Historiographie, die die Fragen von Politik und Herrschaft lange Zeit vorrangig behandelte. Auch auf kommunaler Ebene kommt bis heute kaum eine Chronik ohne einen verwaltungsgeschichtlichen Überblick aus. Derartige Betrachtungen konzentrieren sich jedoch überwiegend auf den Aufbau und die Organisation des Verwaltungsapparats sowie auf die Änderungen, denen dieser im Laufe der Zeit unterworfen war. Die Verwaltenden, die Amtsträger und ihre Mitarbeiter – insbesondere niederer Hierarchieebenen – sowie deren konkrete Lebensbezüge bleiben hingegen oft außerhalb des Blickfelds.

Das neue AK-Projekt soll sich auf genau diese Lücke konzentrieren. Fragen, denen es sich zuwenden könnte, wären beispielsweise:

  • Wie lebten und arbeiteten die Schreiber, Sekretäre, Vögte etc. im Dienst der Landesherrschaft oder Kommunen? (Von dieser Fragestellung ist auch die Geistlichkeit betroffen; denn die Mitglieder dieses Standes übernahmen über lange Zeit auch Verwaltungsaufgaben, sei es durch Schreibertätigkeiten im Mittelalter oder auch später noch, z. B. durch das obligatorische Verlesen von Verordnungen von der Kanzel.)
  • Wie kamen die Verwaltenden zur Verwaltungstätigkeit?
  • Welchen familiären Bezügen und Gesellschaftsschichten entstammten sie? Zu welchen Familien und Schichten wurden Verbindungen eingegangen?
  • Welche Lebensgrundlagen hatten sie? Welche Einkünfte? Waren diese aus- oder unzureichend?
  • Wie übten sie ihre Aufgaben bzw. ihr Amt aus? Welche Arbeitsmittel (im weitesten Sinne) standen ihnen zur Verfügung? Welche Macht oder Autorität besaßen sie?
  • Inwiefern waren sie in die Gesellschaft ihres Tätigkeitsbereiches integriert? Inwiefern waren sie Außenseiter (Außensicht und Selbstwahrnehmung)?
  • Welche Bedeutung hatte die Verwaltungstätigkeit für ihr Selbstbild und ihren Status?
  • Welchen Einfluß hatten Herrschafts- oder Systemwechsel, Kriege oder Besatzungen auf Leben?

Die Thematik ermöglicht – unter der Prämisse eines sozialgeschichtlichen Focus‘ – Biographien, Fallstudien und allgemeine Analysen. Die Untersuchungen sollten sich räumlich auf die Regionen des heutigen Bundeslandes Schleswig-Holsteins, auf Hamburg und Süddänemark beschränken. Im Interesse einer möglichst breiten Beteiligung können alle Epochen, einschließlich des Mittelalters, in den Blick genommen werden.

Nach einem ersten Projektgespräch im Mai 2017 wird ein zweites Arbeitstreffen im Rahmen der AK-Tagung auf dem Koppelsberg am 24. oder 25. November 2018 stattfinden. Die Tagung zum Projekt wird im Rahmen der AK-Tagung vom 10.-12. Mai 2019 ebenfalls auf dem Koppelsberg stattfinden.

Wer Anregungen oder Fragen zu dem Projekt hat oder sich noch zu für eine Beteiligung interessiert, melde sich bitte bei: Jan Wieske, Ebellstraße 3, 30625 Hannover,
Mail: fehmarngeschichte(at)gmx.de